Amnesty-Ausstellung in Mülhausen: Menschenrechte als Schutzschild gegen Gewalt und Folter

30. Januar 2019

Der Hooligan wirft Blumen statt Steine. Der Begriff „Freiheit“ flattert vogelfrei durchs Bild. Die blutrote Träne des Gedemütigten rinnt Richtung Maschinengewehr, Molotowcocktail, Strick, Stacheldraht und Faust. Das sind Motive, die ein Dutzend Oberstufenschüler der Liebfrauenschule Mülhausen auf 13 Aufsteller und 6 Plakate von Amnesty International (ai) umgesetzt haben. Die Kempen-Nettetaler ai-Gruppe hat anlässlich des 70. Geburtstags der Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen die Tableaus zur Verfügung gestellt. Auf einer Seite stehen die Artikel der Menschenrechte. Die andere Seite sollten die Schüler gestalten. „Mit drei Religionslehrern haben wir dieses Projekt in Angriff genommen, die Resonanz war sehr groß, die Ergebnisse sind beeindruckend“, berichtet Stefanie Dams. Die Lehrerin an der Liebfrauenschule ist Mitglied der Kempen-Nettetaler Amnesty-Gruppe. Seit November sprechen sie und ihre Kollegen Barbara Hellinge und Georg Borsch mit den Schülern nicht nur über die 30 Artikel, die am 10.12.1948 in Kraft getreten sind, sondern auch über weltweite Verletzungen, Inhaftierungen, Kinderarbeit, Gewalt, Verstöße gegen die Meinungsfreiheit, Folter und Mord.

„Unser Motiv zeigt einen fragilen Menschen, der ohne den Schutzschirm der Menschenrechte zerbrechlich wirkt“, beschreibt Conrad Schulte aus Hinsbeck sein Motiv für den Aufsteller, das er mit SV-Schülern entwickelt hat. „... wie ein schützender Schild“, so steht es auf dem Plakat, schirmen die Menschenrechte das bedrohte Individuum ab. Beim genaueren Hinsehen erscheinen oben auf dem traurigen Antlitz hunderte Namen von ai-Aktivisten. Eine Menschenkette aus allen Nationalitäten zieht sich um die Weltkugel von Talia Delschen. „Das symbolisiert, dass alle auf dem Globus das gleiche Recht auf Freiheit haben“, beschreibt die 17-Jährige aus Grefrath ihr Poster, das sie mit ihrer Freundin Emma Sibben (18) entworfen hat. Bewusst haben sich Julia Heckmann (16) und Marie Mauermann (17), beide aus Wankum, für den Guerilla-Blumenwerfer des britischen Streetart-Künstlers Banksy entschieden, um auf das sensible Thema aufmerksam zu machen. „Spread love - not war!“, also „Liebe nicht Krieg verbreiten“ steht neben dem Vermummten in Anspielung auf einen US-Rap-Song.

Die 19 Tafeln, die bis Ostern in der Liebfrauenschule in der Nähe der Kapelle ausgestellt sind, spiegeln die Weltsicht der jungen Generation. „Themen wie Weltkrieg oder Holocaust treten eher zurück. Dafür werden die Gefahren der Digitalisierung und die Infragestellung der Demokratie künstlerisch umgesetzt“, zieht Stefanie Dams eine Klammer. Die Oberstufenschüler, die mitgewirkt haben, würden sich freuen, wenn ihre Arbeiten über die Schule hinaus auf Interesse stoßen.



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